Biographie
Sie besitzt das künstlerische Fingerspitzengefühl dafür, vielerlei Wirkung zur Entfaltung zu bringen: instinktiv, sinnlich, reisefreudig, impressionistisch. Cyrielle Formaz ist neuerdings frei unter dem Künstlernamen Meimuna tätig. Den Namen hat sie sich von einer bestimmten Zikadenart geliehen. Zwischen dem Insekt der Ordnung der Hemiptera und der Künstlerin zeichnet sich eine sich um Metamorphose und Wiedergeburt rankende Symbolkraft ab. Denn mit ihren 24 Jahren hat die junge Schweizerin bereits ein erstes Künstlerleben mit der Band Macaô hinter sich. In dieser Folk-Rock-Band ist sie zugleich Mitgründerin, Autorin, Komponistin, Gitarristin und Sängerin. Die Band kann zahlreiche Siege bei Wettbewerben verbuchen, sowie ein Album und eine EP, die ausschließlich aus französischsprachigen Liedern besteht. Außerdem darf sie sich über gute Kritiken und erste prestigeträchtige Auftritte (Polnareff, Bruel, Zaz, Cali) freuen. Doch Cyrielle möchte nicht im Stillstand verharren. Als noch aktives Mitglied von Macaô nimmt sie 2015 am Praktikum des frankophonen Gesangswettbewerbs Médaille d’Or im Jura teil. Zu dieser Zeit erhält sie die wertvollen Ratschläge von Jean Fauque – Texter von Bashung – oder von Jean-François Dufour – Komponist für Mc Solaar – und lernt Autoren, Komponisten und Interpreten kennen, die von denselben Fragen umgetrieben werden wie sie. Sie macht dort vor allem auch Bekanntschaft mit einem ausgeprägten Freiheitsgeist, und einem künstlerischen Schaffen, das sich von allen Windböen, aus allen Richtungen, treiben lässt. Dieser Durchbruch sowie ein weiterer beim Songwriter-Workshop Rencontres d’Astaffort einige Monate später unter der Leitung von Francis Cabrel und der Schirmherrschaft von Nolwenn Leroy werden sich als Befreiungsschlag herausstellen. Von Gewissheit beflügelt unterbricht sie ihr Film- und Kunststudium an der Universität und tritt kurz darauf aus der Band aus. Cyrielle verspürt das Bedürfnis sich aus den Fängen der manchmal lähmenden Arbeit im Team zu lösen, damit sie ihrer eigenen Fantasie freien Lauf lassen kann. Ihr Werdegang führt schließlich zur Schaffung ihres ganz eigenen Freiraums. 2016 erblickt so das Projekt Meimuna das Licht der Welt.
Ihre Kunst ist vom Idealismus angehaucht. Die Künstlerin verrichtet gründliche Arbeit und ist ein Multitalent (Video, visuelle Kunst, Zeichnen), das von der Konfrontation und der Begegnung verschiedener Künste lebt. In ihrem Heimatort Orsières ging sie mit sieben Jahren auf ein Konservatorium, um Unterricht in klassischer Gitarre zu nehmen. Ein Instrument, das ihr treuester Verbündeter ist, und das stets als Quelle neuer Impulse für ihre Kompositionen dient. Beim Projekt Meimuna ist Cyrielle die einzige Kommandantin an Bord. Sie kümmert sich gemeinsam mit ihrem Komplizen, Partner und Gitarristen Erik Bonerfält um alles selbst: Um die Tonaufnahme zuhause, die Tonregie und die Tonmischung. Ihr Credo lautet: „Schnelligkeit und Hast nicht verwechseln“. Meimuna enthüllt sich nur nach und nach. Sie veröffentlicht zunächst eine EP mit drei Liedern, die um Metaphern aus der Tierwelt kreisen, und deren gleichnamiges Lied 2017 auf der Liste der Preisträger des M4music-Festivals in Zürich auftaucht (Preise in den Kategorien „Pop“ und „Demo of the Year“). Mit Ausnahme der Eröffnung des Konzerts von Christophe in Monthey, gibt sie bis heute intimen und ungewöhnlichen Locations Vorzug, an denen sie etwas Magisches verspürt.
Der Klang ihrer neuen EP gleicht einem Vordringen in das Verborgene. Dorthin, wo es um Liebesgefühle und schlagende Herzen geht. Sie trägt den nüchternen und simplen Namen Amour, zu dt. Liebe. Cyrielle ist tief eingetaucht in die Werke Baudelaires, Verlaines und Patti Smiths. Die Lieder, die zwischen Folk, klassischem Erbe und ätherischem Pop hin- und herpendeln, verschränken die Klarheit der melodischen Linien und die Fusion der sonoren Klänge. Geprägt sind sie von Zweifel und Infragestellen (La Nuit je danse, zu dt. Nachts tanze ich - ein Augenzwinkern in Richtung des Lieds von Bashung, Jamais deux sans toi, Krama, zu dt. Niemals zu zweit ohne dich, Krama und seinem schwedischen Refrain), von Sehnsucht nach Kindheitstagen (Au temps de coquillages, zu dt. Zur Zeit der Muscheln) und von Hoffnung (La Route, zu dt. Der Weg). Am Ende der Reise zeugt ein Instrumental von ihrer Vorliebe für Filmmusik. Es ist eine Platte einladender Melancholie, die Zartheit, Percussionelemente und Polyphonien in sich vereint. Eine Platte des eleganten Gesangs, zugleich erobernd und fragil. Meimuna bedient sich gleichermaßen der bewegten Skizzen und der Pastellmalerei, und lässt uns somit entkommen, an einen Ort, der von anstehenden schönen Tagen kündet.
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